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Autor Thema: ALLE WASSERWEGE / hoher Wasserstand, Strömung  (Gelesen 1922 mal)

Offline bádoir

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Alle Skipper werden daran erinnert, die derzeit hohen Wasserstände in ihrer Planung zu berücksichtigen.

Besonders die reduzierten Durchfahrtshöhen an Brücken sind zu beachten. Starke Strömung in der Nähe von Schleusen, Wehren und anderen Bauwerken erfordert vorausschauendes Fahren und mehr Motorkraft bei Manövern.

Quelle: Marine Notice 67 / 2012 von Waterways Ireland




Anm.: Noch ein paar Tipps für Hochwasserfahrten:


ANLEGEN:

Bei der Anfahrt kann der Steg oder die Mauerkante unter Wasser liegen. Selbst Poller können untergetaucht sein.

Anleger, die überflutet sind oder waren, sind wegen Schlammablagerungen extrem rutschig, u.U. auch solche mit Betonoberfläche.

Bei festen Anlegern, die gerade noch benutzbar sind,  können die Festmacherleinen einen ungünstigen Winkel zu den Pollern haben und darüberrutschen – also doppelte Vorsicht.

Beim Anlegen immer zuerst die Leine, die stromauf liegt, festmachen, und beim Ablegen diese zuletzt lösen. (Das sollte immer selbstverständlich sein und ist bei starker Strömung besonders wichtig)

Immer besonders gewissenhaft festmachen.



WÄHREND DER FAHRT:

Hochwasser bringt eine Menge Treibgut mit sich.

Uferlinien, denen sich normalerweise kein Skipper nähert, können unsichtbar sein- also nicht von Marker zu Marker fahren ( „auf dem Tonnenstrich“), sondern Bögen schön in der Mitte der Fahrrinne ausfahren.

Stromab mit möglichst wenig Gas fahren (auch wenn es noch so schön dahinrauschen würde) Leer lauf ist allerdings auch ungünstig, weil dann kein Wasserdruck mehr am Ruder ist (Steuerwirkung!)

Stromauf nicht konstant mit Vollgas fahren – das kann je nach Motorauslegung  Probleme geben..


ANKER:

Bei Flußfahrt gilt stets (und bei Hochwasser ganz besonders):  Der Anker  gehört immer am bergwärtigen Ende des Schiffs (d.h. flußaufwärts) bereitgehalten, und zwar ausgeklappt und mit unverwirrter Kette/Leine in ganzer Länge, deren anderes Ende natürlich am Schiff festgemacht ist (!). Bei Motorschaden oder zugesetztem Propeller  ist  nur noch so das Boot aufzustoppen. Beim Auslaufen der Leine/Kette darf man keinesfalls mit dem Fuß in den Wickel der bereitgelegten Leine  oder  Kette  stehen, sonst geht man mit über Bord.

Gerade bei stärkerer Strömung hat man keine Chance, den Anker im Notfall noch umzustecken oder gar erst aus dem Staufach zu holen. Da sitzt man schon auf der Untiefe drauf.

Wo an Bug oder Heck nur seitliche Klampen vorhanden sind, muß der Anker auf der vom Ufer abgewandten Seite befestigt werden. Wenn dann der Anker greift oder wenigstens bremst, stellt sich das Boot leicht schräg, und zwar so, daß die Strömung es Richtung Ufer drückt.  Andersherum, mit dem Anker an der Uferseite, würde das Boot in die Mitte des Flusses mit der stärkeren Strömung  verdriften.



DURCHFAHRTSHÖHEN:

Ist man sich bei Fahrt stromabwärts bei der Durchfahrtshöhe von Brücken im Zweifel, keinesfalls  vorwärts mit der Strömung durchzufahren versuchen. Zum „Bremsen“ mit Gas rückwärts ist es dann zu spät, der seitliche Versatz durch den Radeffekt des Propellers gibt dem Manöver unter Bogenbrücken dann den Rest.

Lieber warten, und ggf.  bei der Rückfahrt zum Ausgangspunkt den Vermieter  wegen Verspätung verständigen.

Für Flussfahrtgeübte (und nur für diese!) gibt es noch folgenden Trick:  
Weit (W E I T !!! – damit sind 200 bis 400 Meter gemeint)  oberhalb der Brücke wenden und sich rückwärts von der Strömung treiben lassen. Dabei aber nicht zu knapp Gas vorwärts geben, damit man nicht  zu schnell wird und Ruderwirkung hat. Am besten, man testet, mit wie viel Gas man „stehen bleibt“, und nimmt dann das Gas etwas zurück. So kann man sich dann langsam unter der Brücke durchtasten. Aber Vorsicht – unter der Brücke nimmt die Strömung wegen der Querschnittsverengung schlagartig zu. Deshalb, wie gesagt, NUR FÜR GEÜBTE!

Und noch einmal: Falls man (auch aus anderem Grund) oberhalb (stromauf) vor einer Brücke wenden muß: Viel Abstand (s.o.)  halten! Hat man das Boot erst mal halb gedreht, fasst es der Strom auf voller Breite, und dann geht es rasend schnell bergab- im doppelten Sinne.

« Letzte Änderung: 05.07.2012, 17:13 von bádoir »