Shannon-Forum
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Autor Thema: Livebericht: Shannon-Info.de on tour 2002  (Gelesen 3842 mal)
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Stevie
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« Antwort #10 am: 06.06.2002, 23:05 »

Do, 06.06.2002:

Der bisher schönste Morgen auf unserer Reise. Strahlend blauer Himmel und T-Shirt-Temperaturen. Also schnell frühstücken und dann das Boot startklar machen. Wir füllen noch unseren Wassertank, verabschieden uns von Wilhelm und Konni und machen uns auf den Weg in Richtung Süden.

In Roosky warten wir erstmal geraume Zeit bis die Brücke geöffnet wird. Der Wasserstand ist zwar etwas gefallen, aber für unsere Waveearl reicht es immer noch nicht. Eine Caprice von Emerald Star meint vielleicht so durchzupassen und bricht den Versuch erst ab, als ich sie schon fast in der Brücke hängen sehe. Zum Glück habe ich meine Warteposition einige hundert Meter weiter flußaufwärts gewählt, so dass sie uns nicht in die Quere kommt. Wenig später erscheint Tony, der Schleusenwärter, auf seinem Fahrrad und öffnet die Brücke, die wir auch problemlos passieren.

Das nächste Problem stellt sich direkt hinter der Brücke. Wir wollen eigentlich anlegen, da wir noch einkaufen müssen. Es ist für heute noch kein Abendessen an Bord und das Bier wird auch knapp. Leider sind wir nicht die einzigen mit diesem Problem und so sind alle Anleger an der Brücke voll belegt. Den Versuch am freien Anleger der Tankstelle festzumachen spare ich mir, da sind wir in den Vorjahren bereits weggejagt worden. Seitdem meide ich diesen Liegeplatz und tanke außerdem woanders, wenn es sich einrichten läßt.

Da sich kein freier Platz abzeichnet, beschließen wir an einer Lake Star von Emerald Star festzumachen, die relativ günstig liegt. Auf dem Boot sind vier Iren, offensichtlich noch von den Folgen des Fußballspiels vom Vortag gezeichnet, die uns sofort erlauben an ihrem Boot anzulegen. Das ist zwar sehr nett, allerdings haben die Jungs leider keine Ahnung von Booten. Als ich einem der vier unsere Achterleine zuwerfe, fängt dieser sofort an wie wild daran zu ziehen, anstatt zu warten bis ich das Boot richtig herangefahren habe. Als Ergebnis liegt unser Heck am gewünschten Platz, während der Bug mitten in den Fluß zeigt. Ich breche den Versuch ab und bedeute unserem Helfer die Leine zurückzuwerfen, damit ich einen neuen Anlauf unternehmen kann. Er will jedoch aus unerfindlichen Gründen nicht loslassen und begreift erst was ich von ihm will, als ich einfach losfahre. Beim zweiten Versuch bin ich schlauer und reiche die Leinen erst herüber, als das Boot am richtigen Platz liegt. Unsere Helfer wenden sich sichtlich erschöpft wieder ihrem Frühstück zu und wir gehen in den Supermarkt zum Einkaufen.

Das Ablegen geht problemloser als das Anlegen, auch wenn ich einen der Iren davon abhalten muß die Achterleine vorzeitig zu lösen. Er zeigt aber dann vollstes Verständnis dafür, dass ich nicht ohne meine Freundin abfahren möchte Zwinkernd. Vor der Schleuse in Roosky ist wieder kreisen angesagt. Es werden drei große Boote von Emerald hochgeschleust, was aus unerfindlichen Gründen fast 20 Minuten dauert. Schließlich verlassen die Boote endlich die Schleuse und Tony saust wieder mit seinem Fahrrad an uns vorbei zur Brücke. Ich möchte wirklich mal wissen, wieviele Kilometer er an einem Tag so zurücklegt.

Wir schleusen zusammen mit der "Lobelia" einem weiteren Boot von Waveline Cruisers und einem großen 38-Fuß Boot von Manor House Marine. Der Skipper des letzteren fragt erstmal den Schleusenwärter wo er sich überhaupt befindet, weia.... Unterhalb der Schleuse ist ziemliches Chaos. Da der Anleger unter Wasser steht, liegen drei Boote an die Mauer gedrängt, ein weiterer Skipper klammert sich an Bäumen fest und zwei weitere kreisen im freien Wasser vor der Schleuse. Also erstmal gaaanz langsam fahren, um nicht noch mehr Unordnung in das Durcheinander zu bringen. Der Skipper hinter uns (der mit dem 38-Fuß Boot) sieht das jedoch anders und fährt mit Volldampf aus der Schleuse, was ich jedoch mit einigen resoluten Handzeichen und bewußtem "im Weg stehen" unterbinde.

Wir fahren weiter in Richtung Tarmonbarry, die beiden Boote aus der Schleuse immer noch kurz hinter uns. Als wir dann in den Camlin River abbiegen, folgt uns der Kollege mit dem 38-Fuß Boot. Er weiß offensichtlich immer noch nicht wo er ist. Nach einigen Metern bleibt er jedoch stehen, vermutlich weil ihm der Fluß plötzlich etwas schmal vorkommt und ich verliere ihn aus den Augen. Wir wollen eigentlich den Camlin nur ein Stück hinunter fahren und dann wieder umdrehen. Die Straßenbrücke bei Richmond Harbour ist nämlich recht niedrig und ich weiß nicht ob unser Waveearl durchpaßt. Unterwegs kommt uns jedoch eine Tully SE von SEWH entgegen und ich frage den Skipper nach der Brücke. Als er "kein Problem" zurückruft, beschließe ich es vorsichtig zu versuchen.

Nach ca. 30 Minuten erreichen wir die Brücke. Es ist genügend Platz um im Notfall noch wenden zu können und die Strömung ist auch kein Problem. Also im Schrittempo herangetastet, immer bereit auf Rückwärtsschub zu gehen. Ich sehe aber recht schnell das es passen wird, auch wenn es nur gut 30 cm zwischen unserem Windschild und der Brücke liegen. Prima, eine Sorge weniger. Die Brücke im Kanal zu Clondara Lock ist viel höher und wird uns daher keine Probleme machen. Wir legen aber erstmal an der Schleuse nach Richmond Harbour an und ich mache mich auf den Weg einige Fotos zu schießen. Es ist sowieso Mittagspause an der Schleuse, also kann ich die Zeit auch sinnvoll nutzen. Kurz bevor wir wieder ablegen wollen erscheinen Wilhelm und Konni mit ihrer Waveprincess, die hier heute übernachten wollen. Wir überlassen Ihnen unseren Liegeplatz und verabschieden uns nun endgültig.

Der Schleusenwärter von Clondara Lock ist der gleiche wie im letzten September. Er erkennt mich sogar wieder, weil wir wie beim letzten Mal unser Shannon-Info.de Schild auf dem Windschild haben. Wir hatten uns schon im September über meine Webseiten unterhalten. Er bedauert, dass die Seiten nur auf Deutsch verfügbar sind. Nach der Schleusung kontrolliere ich schnell die Kühlwasserfilter, die aber diesmal sauber sind. Aufgrund des Hochwassers lagen nicht viele Pflanzenreste im Camlin. Als wir wieder in den Hauptlauf des Shannon einbiegen, sehe ich die "Lobelia" wieder vor uns. Wir haben also durch unseren Abstecher in den Camlin nichtmal Zeit verloren.

Weiter vorne ist auch die Caprice aus Roosky wieder zu sehen. Als sie auf die Torfbahn-Brücke kurz vor Lanesborough zufährt, verläßt den Skipper wohl der Mut und er bleibt vor der Brücke stehen. Sein Boot wird natürlich sofort von der Strömung gepackt und seitwärts gedreht, mit dem Ergebnis, dass er genau vor der Durchfahrt seitlich gegen die Brücke gedrückt wird. Zum Glück sind wir noch weit genug entfernt und können die "Vollsperrung" aus sicherer Entfernung beobachten. Mit einigen rabiaten Manövern schafft er es dann von der Brücke loszukommen, allerdings mit einigen großen Schrammen an der Steuerbordseite. In Lanesbourough halte ich größeren Abstand zu dem Crash-Kandiaten, aber hier geht alles glatt.

Der Rest unserer Fahrt verläuft ereignislos. Auf dem Lough Ree hänge ich die Caprice mit dem Aufkommen leichter Wellen schnell ab, was mir auf dem Fluß vorher nicht geglückt war. Hier macht sich die schwache Motorisierung dieses Bootstyps doch sehr bemerkbar. Gegen 17 Uhr biegen wir in den Lecarrow Canal ein und erreichen nach kurzer Fahrt den Hafen. Wir belegen den letzten regulären freien Liegeplatz und so geht ein ereignisreicher Tag zu Ende....
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Stevie
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« Antwort #11 am: 13.06.2002, 01:48 »

Hallo zusammen, entgegen anderslautenden Gerüchten sind wir nicht verschollen, sondern haben uns nach unserer Bootstour noch ein paar nette Tage im County Donegal gemacht. Heute sind wir nun nach 14 schönen Tagen in Irland wieder zuhause angekommen.

Trotzdem möchte ich euch natürlich den letzten Tag unserer Bootsreise nicht vorenthalten:

Fr., 07.06.2002:

Dieser Freitag ist unser letzter Tag an Bord der "Cornflower". Wir stehen gegen 9 Uhr auf und ich verwandle die letzten Bacon- und Eier-Bestände in ein irisches Frühstück. Da wir erst am Nachmittag in Killinure unseren Mietwagen übernehmen müssen, lassen wir uns an diesem Morgen Zeit. Schließlich sind es von hier nur ca. 1,5 Stunden bis in den Heimathafen. Gegen 11 Uhr legen wir ab uns fahren bei inzwischen trockenem Wetter nochmals durch den Lecarrow Canal. In der Blackbrink Bay stelle ich kurz die Maschine ab und schaue schnell nach den Kühlwasserfiltern, die aber nur minimal verschmutzt sind.

Der Wind bläst direkt aus östlicher Richtung, was eine interessante Überfahrt über den Lough Ree verspricht. Bei dieser Windrichtung kommen die Wellen genau quer zur Hauptfahrtrichtung was es erschwert den genauen Kurs zu halten. Es wird aber nicht wirklich schlimm, die Wellen sind nur ca. einen halben Meter hoch, was man mit der Waveearl noch gut verkraftet, ohne kreuzen zu müssen. Durch den Wind ist die Abdrift jedoch schon recht ordentlich und daher kommt mein GPS-Empfänger heute zu einem sinnvollen Einsatz. Den Erfolg sehe ich bereits nach kurzer Fahrstrecke, als wir uns immer noch auf der korrekten Route befinden, während einige andere Boote böse nach Lee abgetrieben sind. Wenn man kein GPS hat, sollte man halt öfter auch mal nach hinten schauen, wenn man eine Boje in 2 km Entfernung ansteuert und ggf. seinen Kurs mit etwas Vorhalt wählen.

Ohne weitere besondere Ereignisse kommen wir gegen 13 Uhr in Killinure an. Wir sind das zweite von den heute zurückerwarteten 19 Booten und machen direkt an der Dieseltankstelle fest. Thommy tankt unser Boot auf und mit der bereits vor einigen Tagen in Carrick-on-Shannon nachgefüllten Menge kommen wir auf insgesamt 184 Liter in 10 Tagen. Geteilt durch unsere 34 Fahrstunden ergibt das einen Verbrauch von 5.4 Liter pro Stunde.  Da wir aufgrund der starken Strömung und des hohen Wasserstandes viel Vollgas fahren mußten, bin ich damit mehr als zufrieden.

Den Mehrverbrauch flußaufwärts haben wir offensichtlich auf der Rückfahrt wieder eingespart. Für die Strecke von Killinure in den Lough Allen und zurück nach Carrick-on-Shannon haben wir 107 Liter benötigt, von dort in den Lough Key und zurück nach Killinure dagegen nur 77 Liter.

Nach Tanken und Abrechnung erledigt sind, warte ich auf unseren Mietwagen, der eigentlich um 15 Uhr angeliefert werden sollte. Um 15:45 Uhr ergibt ein Anruf bei der Hertz-Station in Athlone, dass es wohl 16:30 Uhr werden wird. Also die üblichen Zeitangaben in "irish time". Da ich sowas in der Art bereits erwartet hatte, gehe ich erstmal auf unser Boot zurück.

Um 16:45 Uhr erscheint dann tatsächlich jemand mit unserem Mietwagen. Ich hatte die "intermediate"-Kategorie gebucht (üblicherweise sowas wie Toyota Avensis oder Ford Focus) und bin sehr überrascht, als man mir den Schlüssel für einen Rover 75 übergibt. Der Hertz-Mitarbeiter ist nach einem Blick auf unseren Gutschein ebenfalls überrascht und gratuliert mir dann schulterzuckend zu meinem  "free upgrade". Da haben wir ja mal wieder Glück gehabt. Der Wagen ist ziemlich neu (gerade mal 2500 Meilen auf dem Tacho) und hat sogar eine Klimaanlage.

Der Rest des Nachmittags geht relativ schnell vorbei, da wir unsere Ausrüstung umpacken, so dass wir in den nächsten Tagen nur noch eine Tasche aus dem Auto nehmen müssen. Zum Glück müssen wir jetzt noch nicht alles flugfertig verpacken und so landen neben unseren großen Reisetaschen auch einige Tüten mit Kleinkram und Lebensmitteln im Kofferraum unseres Mietwagens. Zum Schluß wird noch das Boot aufgeräumt und auch einer gründlichen Außenreinigung unterzogen.

Am Abend gehen (...ähh fahren, da es regnet) wir nochmal in die Killinure Chalets, wo wir uns nochmal von der hervorragenden Küche verwöhnen lassen. Als wir schon fast auf dem Rückweg sind, treffen wir Norbert und Monika vor der Tür und so wird es noch eine Stunde später bis wir endlich loskommen. Wir verbringen unsere letzte Nacht an Bord der Cornflower und freuen uns auf 5 weitere erholsame Tage in Irlands Nordwesten......

Fazit: Die Bootstour war mal wieder ein voller Erfolg, auch wenn das Wetter nicht immer perfekt war und der Shannon so viel Wasser führte, wie ich es noch nie während der Bootssaison erlebt habe. Wir haben unterwegs viele nette Leute Leute getroffen und auch eine ganze Reihe unserer Leser persönlich kennengelernt. Insofern war die Entscheidung mal mitten in der Saison zu fahren durchaus richtig. Wir waren streckenweise erstaunt, wie leer es auf dem Fluß im Juni ist. Probleme einen Liegeplatz zu finden hatten wir eigentlich nie und dass obwohl einige Anleger überflutet und damit nicht nutzbar waren. Es hat wieder riesigen Spaß gemacht und ich freue mich jetzt schon auf die nächste Tour, die im September stattfinden wird. Es war zwar etwas Aufwand (sowohl zeitlich als auch technisch) diesen Reisebericht immer pünktlich fortzuführen, aber über 1100 Zugriffe auf diesen Thread zeigen mir, dass ich mir die Mühe offensichtlich nicht vergeblich gemacht habe. Vielen Dank für euer Interesse!

Ich könnte jetzt noch viel über unsere Tage in Donegal schreiben, aber wenn man mit dem Auto unterwegs ist, erlebt man die Dinge viel komprimierter als auf dem Boot. Das würde den Rahmen dieses Forums (und auch meinen Zeitrahmen) definitiv sprengen. Daher beende ich meinen Bericht an dieser Stelle und hoffe das es euch gefallen hat.

See you in Ireland,
Stevie.
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