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Autor Thema: Barrow-Tipps  (Gelesen 56027 mal)

Offline bádoir

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Barrow-Tipps
« am: 06.03.2005, 14:49 »
Hallo Bootsfreunde und -innen!

Nachdem meine mehrteiligen Erne-Tipps auf recht positive Resonanz gestoßen
sind, und auch, um weniger bekannte Reviere vorzustellen, folgen hier mei-
ne  Barrow  - Tipps. Auch ein bißchen, um diese Reviere vor der Vergessen-
heit zu bewahren, denn wenn dort niemand mehr fährt, geraten sie auch beim
OPW in Vergessenheit, was sich dann zwangsläufig im Unterhalt äußert.

Es ist also auch Eigennutz, der mich das schreiben läßt. ;) Aber kommt nur
her, es ist viel Platzreserve hier. Wie sagte Schleusenwärter Patrick Doyle an
einem schönen Oktobertag, als er mich runterschleuste, und unten schon ein
anderes Boot wartete: "It's pretty overcrowded today, isn't it?"

Irgendwann einmal gibt's auch "Grand Canal- Tipps", und dann ist auch noch
etwas  über  den  Ballinamore & Ballyconell - Kanal projektiert. Letzterer
ist meiner Meinung nach ein verkanntes Juwel, das nur als Transit zwischen
Shannon und Erne mißbraucht wird.


Aber jetzt zum Barrow:

Geographisch  unexakt,  aber  für die Reiseplanung praktisch ist es, nicht
nur  die  Flußstrecke (von Athy bis St. Mullins) abzuhandeln, sondern auch
den  Barrow-Kanal  von  Lowtown bis Athy, der den Fluß mit dem Grand Canal
verbindet.  Und  nachdem  es  ein  so  schöner Umkehrpunkt ist (falls man
überhaupt  möchte/muß), nehme ich Robertstown an Grand Canal auch noch da-
zu.


GRUNDSÄTZLICHES:

DIE  KANALSTRECKE  ist  unproblematisch zu befahren. Shannon - Fahrern muß
aber gesagt werden, daß hier Schleusenwärter in erster Linie dazu da sind,
den  Wasserstand  zu  regulieren. Sie sind immer für mehrere Schleusen zu-
ständig,  die mit dem Auto, manchmal auch mit dem Moped angefahren werden.
Wenn  man in der Nebensaison unterwegs ist und einen trifft, so fragen sie
den  Skipper nach seinen Plänen und begleiten einen und verständigen sogar
den  nächsten  Kollegen.  In  der  Hauptsaison (wo oft mehrere Schiffe pro
Stunde  vorbeikommen  ;)), geht das nicht mehr; da lohnt es sich nicht, zu
warten, da ist Selbstbedienung angesagt, und zwar nicht mit mit Chipkarte,
sondern mit Kurbel. Aber wolltet ihr nicht ohnehin etwas mehr Bewegung ha-
ben?

DIE  FLUßSTRECKE  ab  Athy, und ganz besonders ab Carlow, bietet weit mehr
Herausforderungen  als  Shannon  und  Erne. Während dort einzelne Untiefen
markiert  sind und der überwiegende Rest der Wasserfläche als sauber gilt,
braucht  man  am Barrow schon gar nicht nach Markierungen Ausschau halten.
Hier  ist nur eine einseitige Fahrrinne ausgebaggert, und welche Seite die
Richtige ist, entnimmt man der Karte.

Auch  Wehre  sind  nicht  markiert,  sie  sind auf einmal da, wenn man die
Einfahrt   in  den  Umgehungskanal  verpaßt hat. Rostrot-moosgrüne Tafeln,
die  solche  Einfahrten  markieren, entziehen sich meist erfolgreich den
Augen  der Skipper. Man muß also wirklich nach Karte fahren, und dann auch
stets wissen, wo man sich befindet. Wer damit auf Loch Ree Schwierigkeiten
hat,  der  hat  sie hier auch.

Wenn man die Einfahrt in den Umgehungskanal nicht verpaßt hat, landet dann
an  einer SCHLEUSE. Früher waren die Anleger an den Schleusen nur bankmoo-
ring-Plätze,  aber  jetzt  wurden  an  vielen Stellen Stege gebaut, und es
bleibt  zu  hoffen, daß es so weiter geht. Grundschütze gibt es hier nicht
mehr, und die Torschütze funktionieren nicht immer alle. Die gemeinste Va-
riante  des  Themas  sind  ausgebrochene  Zahnstangen,  die man aber nicht
gleich erkennt.

Der Wasserstand des Barrow schwankt stark, sowohl starke Strömung wie auch
Niedrigwasser können Schwierigkeiten machen. Man darf nicht vergessen, daß
die  ursprünglichen  Barrow- Ausbaupläne nie fertig geworden sind- mit all
den  Überraschungen,  aber auch der ganzen natürlichen Urwüchsigkeit, die
das mit sich bringt.

Und  um der Schwarzmalerei die Spitze aufzusetzen, sei noch eine Regel aus
der  Zeit  der  Berufsschiffahrt  zitiert, wonach für die Kanalschiffer in
Athy Endstation war, während die Barrow- Schiffer auch jedes andere Revier
befahren durften.


---
 ??? ??? ???So,  jetzt  wundert  ihr  euch. ??? ??? ???

Erst will ich die Leute in dieses Revier locken, und dann das?

Das  ist  Bádoir's Schocktheraphie! ;D



Es  gibt  nämlich liebe und nette Leute, echt Irlandbegeisterte, die sogar
ein  bißchen Boot fahren mögen, solange sich nichts außergewöhnliches tut.
Aber  selbst  an  Killarcan Lock (ca. 70 cm) steigt deren Adrenalinspiegel
schneller  als das Wasser, und zwei Kilometer nach dem Ablegen mutiert die
Karte in deren Händen zu einem wertlosen Stück Papier, weil sie nicht mehr
wissen,  wo  sie  sind. Und diese Mitmenschen sind in einfacheren Revieren
besser aufgehoben, weil Urlaub auch für sie nicht Streß sein, sondern Spaß
machen  soll- und das ist doch für uns alle zusammen der Grund, in das Ge-
lobte Land zu fliegen, oder?

Ihr aber, die ihr bis hierher gelesen habt, ohne mit gänsehautgekräuseltem
Unterarm  zitternd die Maus ertastet zu haben, um meine Horrorstories weg-
zuklicken-  ihr alle seid aus hartem Holz geschnitzt, und sollt nun erfah-
ren, was euch am Barrow alles an Schönem erwartet.


                            *1*

Hier ist Irland noch so, wie es anderswo in längst vergangenen Zeiten war.
Mal  ehrlich, sind manche Pubs in Touristengebieten für uns nicht nur noch
eine  Kulisse  dafür,  unserem "alten Irland" nachzuhängen? Hier am Barrow
braucht es keine historischen Phantasien, hier ist es noch Wirklichkeit!

Livemusik pur, ohne Verstärker, manchmal mehr einheimische Musiker als Gä-
ste (anstatt einer jodelnden Klavierspielerin :))

Echtes,  spontanes  "storytelling" von und vor einheimischem Publikum (an-
statt  eines  angeheuerten  Spaßmachers,  der Abend für Abend die gleichen
Kerryman-jokes verzapft)

Ein Gratis-Pint "on the road", weil man als Tourist am zweiten Abend schon
als Stammgast gilt (oder ist's bei mir nur Mengenrabatt?? ;))

Kurzum,  Irland  ist  hier noch so, wie es in Doolin Ende der 60er gewesen
sein muß.

                            *2*

Hier  gibt's  verschiedenste  Landschaftsformen, sozusagen ein Querschnitt
durch  ganz Irland. Zugegeben, die Faszination, über eine weite Wasserflä-
che  zu  fahren, hat man hier nicht, doch man durchfährt hier weite, stim-
mungsvolle  Landschaften, später dann, wenn sich der Fluß durchs Hügelland
windet, eröffnen sich nach jedem Kilometer neue Perpektiven und zum Schluß
geht's  gar durch enge Täler, und den Rest bis zum Meer kann man per Fahr-
rad zurücklegen.

Hier  könnte  ich  seitenweise schwärmen, doch ich werde mich auf ein paar
Einzelbeschreibungen im Laufe der virtuellen Reise beschränken.

Aber  es gibt nicht nur Landschafts- und Dorfromantik. Kleinere Städte wie
Athy,  Bagenalstown  und  Graiguenamanach liegen auf dem Weg. Wer's größer
mag,  wird  sich  in  Carlow  länger aufhalten, und wen es mal nach Dublin
zieht,  der kann für einen Tag in Monasterevan anlegen und mit dem Zug von
der  wieder  eröffneten Station (ganz nah am Kanal) in einer Dreiviertelstunde nach Dublin
fahren.



                            *3*

Die  Schleusen  hier  sollte  man  nicht  als Hindernis sehen, sondern als
Erlebnis.

Faszinierend an diesen handbedienten Schleusen ist, daß es hier noch Tech-
nik  aus dem 18. Jahrhundert, zum Teil sogar noch in Originalsubstanz, zum
Anfassen  gibt.  Was  sonst in Technischen Museen ("Bitte nicht berühren")
einstaubt, ist hier noch voll in Aktion. Man darf, muß sogar hinlangen!!

Aber es spricht noch mehr für die handbediente Schleusentechnik:

1.  Wenn bei einer elektrisch bedienten Schleuse etwas ausfällt, geht rein
garnichts  mehr, und man hat Pause, bis ein Techniker kommt. Wenn an einer
Barrow-Schleuse ein Schütz klemmt, dauert die Schleusung halt ein paar Mi-
nuten länger, aber es geht weiter.

2.  Man  muß  nicht auf feste Schleusenzeiten warten, sondern kann fahren,
solange  es  einigermaßen hell ist. Kein Schleusenwärter heißt auch: Keine
Mittagspause  und  keine  Suche nach selbigem in den umliegenden Pubs. Man
ist also voll flexibel.

3.  Motorboot  fahren ist eine feine Sache, aber es dient nicht gerade der
sportlichen  Fitness-  außer  in diesem Revier. Anlegen unter verschärften
Bedingungen, Schleusentore stemmen, schwergängige Schütze hochkurbeln.....
da legt man sich abends in die Koje mit dem Gefühl, etwas getan zu haben.


                              *4*

Selbst in der Hauptsaison gibt es hier keinen Trubel, kein Liegen in zwei-
ter  Reihe,  keine gröhlenden Spätheimkehrer, die über das Vorschiff tram-
peln.  Das  heißt nicht, daß hier nichts los wäre. Aber hier sind in jedem
Pub  die  Einheimischen  in der Mehrzahl, und man nimmt an d e r e n Leben
Teil.


                             ---------


DIE  BESTE JAHRESZEIT für den Barrow ist auf jeden Fall der Frühling, dann
kommt der Herbst, zuletzt der Sommer. Der Grund für diese seltsame Eintei-
lung  sind  nicht  die Touristenströme, sondern zwei andere Kriterien, die
das  Skipperleben  am  Barrow  bestimmen:  Krautwachstum  und Wasserstand.
Krautwachstum  auf  dem  Kanalabschnitt  ist  lästig, und auf dem Fluß bei
Strömung sogar gefährlich, weil das Schiff mit umwickelter Schraube manöv-
rierunfähig  ist. Daß das Schippern bei zu wenig Wasser eine freudlose An-
gelegenheit  ist,  ist jedem klar, aber auch zu viel Wasser kann die Reise
unterbrechen, weil das viel Strömung bedeutet, wogegen die für diesen Fall
oft zu knapp motorisierten Boote nicht mehr ankommen.

(Das ist übrigens kein Vorwurf an die Vercharterer, denn bei üppigerer Mo-
torausstattung  würde  eine bestimmte Sorte von Zeitgenossen rücksichtslos
mit  10,  15 kn die Kanalufer abschwemmen und im Fluß dann mit Karacho auf
einen Felsen auflaufen.)


Beides,  Krautwachstum und Wasserstand, ist stark wärme- bzw. wetterabhän-
gig. Eine ganz grobe Übersicht, ohne Gewähr:

APRIL: Garantiert kein Kraut, aber noch nennenswerte Hochwasserwahrschein-
lichkeit

MAI: Kraut sprießt langsam, Hochwasser selten, aber nicht auszuschließen.

JUNI: Schön langsam wird's grün unter dem Kiel, Wasserstand meist ok

JULI/AUGUST:  Das  Grünzeug  hat Hochkonjunktur, dazu kann bei wenig Regen
der  Wasserstand  bis  in  den kritischen Bereich sinken. Zwangspausen zur
Krautentfernung, manchmal auch durch Aufsitzen, sind unvermeidbar.

SEPTEMBER:  Das  Krautwachstum  hat  den  Höhepunkt überschritten, auf dem
Kanalabschnitt  werden  die  Mähmaschinen  wieder  Herr  der Lage, und die
Niedrigwassergefahr auf dem Flußabschnitt wird wieder geringer.

OKTOBER:  Das  Kraut  geht  weiter zurück, Wasserstände im Allgemeinen ok,
gegen Ende eher mal zu hoch.

Aber  das Wetter ist bekanntlich wendisch. Wenn der Sommer kühl ist (= we-
nig  Kraut)  und  mäßig  regnerisch (= normaler Wasserstand), und dann auf
einmal  ein  Dauerhoch auftaucht, kann man auch im August einen Spitzenur-
laub haben. Im Jahr 2000 z.B. hatte ich's paßgenau erwischt.



So, das wären die wesentlichen Fakten für eure Urlaubsentscheidung.

VORAB NOCH DREI TIPPS, DIE FÜR DIE BUCHUNG WICHTIG SEIN KÖNNTEN:

+++
Revierneulingen rate ich, einen Vercharterer auf dem Kanalstück zu nehmen.
Dann  kann  man sich erst mal an die Schleusentechnik herantasten. Ab Athy
geht  es dann auf fließendes Wasser. Von hier ab steigen die Schwierigkei-
ten,  allerdings auch erst allmählich. Bis Maganey ist's einfach, dann ma-
chen die Nebenflüsse Lerr und Greese die Sache etwas flotter, und dann, ab
Carlow,  geht's  zur  Sache. Ihr könnt also auch umkehren, wenn es euch zu
viel  wird, und die verbleibende Zeit auf dem Grand Canal verbringen. Auch
da gibt es viel Schönes zu sehen.

+++
Meidet  die  (Gott  sei  Dank  seltenen)  "Boat  Rallys"  (Termine s. http://www.iwai.ie )   und  die  in  Frage kommenden An- und Abfahrtswochen. Da zwängen
sich bis 200 einheimische Boote durch das Revier. (Viele unserer Gebräuche
sind den Iren unverständlich. Aber manchmal ist es auch umgekehrt)

+++
Achtet  bei  der Bootswahl auf die Durchfahrtshöhe in Carlow (Vercharterer
fragen!). Mein persönlicher Favorit sind die stählernen Narrow Boats, weil
sie  eine  "weed hatch" haben. Das ist eine Klappe, durch die die Schraube
von  oben  vom  Kraut  gereinigt  werden  kann.  Außerdem  ist  Stahl ggf.
unempfindlicher als GFK.


IMMER NOCH ZWEIFEL?

Dann habt ihr eine ideale Voraussetzung für den Barrow!

Mit etwas Selbstzweifeln habt ihr einen Vorteil gegenüber jener Sorte all-
zu  selbstbewußter  "Seeleute",  denen das Draufgängertum unter der frisch
erstandenen  Kapitänsmütze brennt. Wenn jemand Bootserfahrung, technisches
Verständnis  und  räumliches Vorstellungsvermögen hat, kann bei natürlicher
Vorsicht nichts Wesentliches schief gehen, wohl aber bei Leichtsinn.


Das wär's für heute.

In meinem nächsten Beitrag beginnt die Reise


« Letzte Änderung: 13.03.2005, 21:58 von bádoir »

Offline Michael Metzner

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Re:Barrow-Tipps
« Antwort #1 am: 06.03.2005, 16:50 »
Hi Badoir,

 :D :D :D :D :D :D ..... Bravo, Kompliment, was auch immer. Das war das Beste was ich bisher über den Barrow gelesen habe. Da kann man eigendlich nicht mehr wiederstehen.

Vielen Dank für den Beitrag.

Grüße,
Michael M.

Offline Christian S.

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Re:Barrow-Tipps
« Antwort #2 am: 06.03.2005, 18:37 »
Servus Gerhard,



vielen vielen Dank, ich druck das gleich für Beate aus, vielleicht klappts dann auch mal weiter wie nur bis Athy.  ;D
Ein super Bericht, ich freu mich schon auf mehr!


Gruß vom See
Christian
Am See is' schee!

Offline Olli

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Re:Barrow-Tipps
« Antwort #3 am: 07.03.2005, 00:29 »
hi Badoir,
Der Grand Kanal und der Barrow würden mich schon mal interresieren aber neben Bootfahren und Pubgesseligkeit fahr ich auch noch zum Angeln nach Éire.
Kannst du mir mal sagen wie es mit dem Angeln im Kanal aussieht und vieleicht ein Paar Homepages von Vermietern nennen?

Gruss Olli


Offline softi

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Re:Barrow-Tipps
« Antwort #4 am: 07.03.2005, 15:27 »
hi Badoir,
Der Grand Kanal und der Barrow würden mich schon mal interresieren aber neben Bootfahren und Pubgesseligkeit fahr ich auch noch zum Angeln nach Éire.
Kannst du mir mal sagen wie es mit dem Angeln im Kanal aussieht und vieleicht ein Paar Homepages von Vermietern nennen?

Gruss Olli



Hallo Olli
sehe dir den Link an. Allem Anschein hats dort auch Fische. Sieht so aus als ob die Zeit dort stehen geblieben ist. Werde mir das für den nächsten Irlandurlaub mit in die Planung nehem ;D ;D
http://www.barrowline.ie/
http://www.europeafloat.com/irea.htm Dieser Link führt zu Bootsverleiher am River Barrow und Grand Canal.

Ciao Erwin

Offline bádoir

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Re:Barrow-Tipps
« Antwort #5 am: 07.03.2005, 18:48 »
Hallo Olli!

Das erlesenste Fischgewässer im Revier findest du in Carlow. Gleich nach dem Wehr geht es links ca. 500 m den Burren River hinauf, wo sich dann rechts Loch Tesco eröffnet. Dort beißt alles, was du dir wünscht, z.T. sogar tiefgefroren oder in Dosen. Gute Chancen bietet auch der Mace River, auch wenn er nicht diese Vielfalt bietet.

Für weitere Tipps dieser Art stehe ich gerne zur Verfügung.

Zum Thema Charterer:

http://www.canalways.ie/canalways_ireland.htm
(Selbst ausprobiert, sehr empfehlenswert)

http://www.mailstore.com/shops/1518/irland.htm
(noch nicht ausprobiert, aber altbekannter, nicht zu großer Vermieter)

Grüße
Gerhard

« Letzte Änderung: 07.03.2005, 18:52 von bádoir »

Offline Michael Metzner

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Re:Barrow-Tipps
« Antwort #6 am: 07.03.2005, 20:02 »
Hi Gerhard,

letzteres Reisebüro gibt es das noch? Die Seite ist noch von 1999.

Grüße,
Michael.  :-\

Offline bádoir

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Re:Barrow-Tipps
« Antwort #7 am: 08.03.2005, 06:57 »
Hallo Michael,
Deine Befürchtungen sind wohlbegründet (DM-Preise)

Für Direktbucher : http://www.lowtownmarina.com/hiring.htm

Grüße im Halbschlaf um 06:52
Gerhard
« Letzte Änderung: 08.03.2005, 07:02 von bádoir »

Offline bádoir

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Re:Barrow-Tipps
« Antwort #8 am: 20.03.2005, 17:27 »
Barrow-Tipps Teil 2

Hallo Barrowbegeisterte!

Erst  nochmal ein trockenes Kapitel, das aber sehr nützlich ist: Ein Törn-
planer, der euch auch zugleich eine Übersicht über unsere virtuelle Barrow-
- Tour bieten soll. Hinter diesem Begriff verbirgt sich ein ganz einfaches
Prinzip.

In der Tabelle sind die wichtigsten Ziele auf der Barrow-Route aufgezählt,
davor  die  Entfernung  in  Kilometern von Lowtown aus durchgezählt. Damit
könnt ihr gut die Fahrzeit abschätzen.

Dazwischen  sind  (eingerückt)  die  Schleusen und die beweglichen Brücken
aufgeführt. Die benötigen zusätzlich Zeit.



Fakten zur Fahrzeitberechnung:

Mehr  als  5  km/h darf und soll man auf den Kanälen nicht fahren, auf der
eigentlichen Flußstrecke sind es 8 km/h, stromauf bei starker Strömung we-
sentlich weniger. (nach anderen Quellen sind es 6 km/h auf den Kanälen und
dem Fluß. Das scheint mir auf den Kanälen zu schnell und auf dem Fluß doch
zu langsam)

Eine Schleuse benötigt im besten Fall
mit Schleusenwärter etwas weniger als:             10 Minuten

Wenn sie "verkehrt" steht, also vor dem Ein-
fahren  erst  befüllt/entleert werden muß:         +   5 Minuten

Selbstbedienung:                                                   +   5 Minuten

Doppelschleusen:                                                 +  10 Minuten

Wenn die Doppelschleuse verkehrt steht,
zusätzlich noch mal:                                             +   5 Minuten


Bewegliche Brücken:                                               10 Minuten

----------
Beispiel:

Wollt  Ihr also wissen, wie lange man z.B. von von Rathangan Hafen bis Vi-
carstown  braucht,  so nehmt die Differenz zwischen 34,8-12,8 = 22 Kilome-
ter. Das sind leicht gerundet 4 Stunden und 25 Minuten reine Fahrzeit.

Wenn  beide  Doppelschleusen  richtig stehen, und der Schleusenwärter euch
begleitet, kommen  2 x (10+10) = 40  Minuten dazu

Das sind also gesamt 5 Stunden 5 Minuten

Im  ungünstigsten  Fall,  wenn  euch jemand entgegengekommen ist, und alle
Schleusen verkehrt stehen, so sind es bei Selbstbedienung:

2 x (10 + 10 + 5 + 5) = 60 Minuten

Dann sind es 5 Stunden 25 Minuten

Alles klar?

---------------

Hier also die Tabelle (ob ihr in Lowtown die neue oder alte Strecke fährt,
macht kilometermäßig nicht viel aus)



 *  km  *  ORT bzw. Schleuse

---------------------------------
        * ROBERTSTOWN, von hier sind es etwa 1,5 km zum
          "offiziellen" Beginn des Kanals bei Kilometerstein:

*   0,0 *

*   2,0 * ABZW. MILLTOWN FEEDER, 10 km nach MILLTOWN,+ 1km P.O. GIBRALTAR

          Geradeaus, Richtung Barrow, kommen:

             4 Schleusen (19 ... 22)

*  12,8 * RATHANGAN HAFEN

             1 Doppelschleuse (23)

*  13,5 * RATHANGAN CANALWAYS

             1 Doppelschleuse (24)

*  22,6 * MONASTEREVAN OBEN

             1 Hubbrücke
             1 Schleuse (25)

*  23,6 * MONASTEREVAN UNTEN

*  29,8 * FISHERSTOWN

*  34,8 * VICARSTOWN

             2 Schleusen (26,27)

*  45,4 * ATHY ALTER ANLEGER

             1 Schleuse (28)

*  45,7 * NEUER HAFEN VON ATHY

             1 Schleuse (Ardree)
             1 Hubbrücke
             1 Schleuse (Levitstown)

*  55,6 * MAGANEY

             2 Schleusen (Maganey, Bestfield)

*  63,7 * CARLOW

             1 Schleuse (Cloghrennan)

* 69,00* MILLFORD (bankmooring)

             1 Schwenkbrücke
             2 Schleusen (Millford, Rathvindon)

*  74,8 * LEIGHLINBRIDGE

             1 Schleuse (Rathellen)

*  79,1 * BAGENALSTOWN

             4 Schleusen (Bagenalstown, Fenniscourt, Slyguff,
                          Upper Ballyellen)

*  89,1 * GORESBRIDGE

              2 Schleusen (Lower Ballyellen, Ballytiglea)

*  94,1 * BALLYTIGLEA BRIDGE ( Weg nach BORRIS)

              3 Schleusen (Borris,Ballyngrane, Clashganna
              1 Dopppelschleuse (Ballykeenan)


* 103,5 * GRAIGUENAMANACH

              3 Schleusen (Upper / Lower Tinnahinch, Carriglead)


* 110,1 * ST. MULLINS LOCK. Hier ist das Ende der Schiffahrt

* 111,1 * ST. MULLINS (zu Fuß)


WICHTIG:  Macht keinen Streß aus der Zeitplanung. Laßt rechtzeitig los von
euren  Plänen,  wenn ihr eine Etappe nicht schafft, und plant ganz einfach
neu. Es ist U-R-L-A-U-B !!

Ich  würde  jedenfalls  erst Richtung Flußstrecke mit ihren Unwägbarkeiten
fahren,  und  die  restlichen Tage auf dem berechenbareren Kanalstück ver-
bringen.

WAS  SICH  KEINER  ZU  FRAGEN TRAUT: Was ist, wenn man es nicht zurück zum
Vermieter  schafft? Klar: Er freut sich nicht. Aber im Notfall (!!) wird er die
Nachfolgecrew schon dorthinbringen, wo ihr gerade seid, und dort die Über-
gabe vornehmen.

Aber  bitte  nutzt die irische Gastfreundschaft nicht aus, indem ihr diese
Möglichkeit  von  vornherein einrechnet. Auch könntet ihr einmal die Nach-
folgecrew sein, deren Bootsübergabe so bedeutend erschwert wird!


So , nachdem  ihr euch durch dieses eher formale Kapitel durchgekämpft habt
und  die  Kilometertabelle  vielleicht ausgedruckt habt, geht es auf große
Fahrt in Teil 3, aber erst gibt's bei mir noch ein Guinness! :P :D

Verrückte  Schwäne  werden euch begegnen,unheimliche Moore, ein Schleusen-
wärter,  der  aussieht  wie  der  unvergessene Luke Kelly, Stromschnellen,
Sandbänke, Pubs, Livemusik .............

Are ye ready, folks?

« Letzte Änderung: 20.03.2005, 21:16 von bádoir »

Offline bádoir

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Re:Barrow-Tipps
« Antwort #9 am: 20.03.2005, 17:50 »
Barrow - Tipps Teil 3


Beginnen  wir die virtuelle Reise in Robertstown am Grand Canal. Hier wird
der  über den Grand ankommende Skipper Pause machen, und wer spät nachmit-
tags in Lowtown ein Boot übernimmt, wird wohl auch lieber hier, direkt ge-
genüber von Einkaufsmöglichkeiten und Pub, übernachten.



ROBERTSTOWN

Kommt  man von Westen (Lowtown) nach Robertstown, so sollte ein unbeschäf-
tigtes  Crewmitglied am Bug unbedingt die Fotokamera bereithalten. Umrahmt
von der Brückendurchfahrt, taucht ein stattliches Gebäude, das mittlerwei-
le restaurierte Canal Hotel von Robertstown auf.

Robertstown  war  früher  nämlich alles andere als ein verschlafenes Dorf.
Die  Nähe  der  Barrow- Abzweigung machte es zu einer Verkehrsdrehscheibe,
die  für  Verladebetrieb und Handel zuständig war. Lange noch standen hier
alte Lager- und Handelshäuser. Sie sind wohl in Zeiten des Booms etwas ha-
stig  gebaut  worden,  denn  sie  waren mit ihren zusammengebrochenen Zwi-
schendecken  und morschen Mauern nicht mehr zu erhalten. Jetzt stehen dort
die neuen Reihenhäuser in Traumlage am Kanal.

Als  letztes Zeugnis dieser einst bedeutenden Hafen"stadt" existierte hier
bis  Anfang  der 90er Jahre eine Fabrik für Tierfutter, das laut Werbetext
"für  Hunde, Katzen, Vögel und Fische gleichermaßen geeignet" war. Nun ha-
ben  die  Iren  durchaus einen Sinn fürs Praktische, aber ob sie d a s ge-
glaubt haben?

Das  Hotel  diente  den  auf  den Personenschiffen fahrenden Reisenden zur
Übernachtung  nach der ersten Tagesetappe von Dublin aus. Dann beherbergte es nach abgeblasenen Museumsplänen
ein Cafe‚und ein Begegnungszentrum, jetzt soll es wieder ein Hotel wer-
den.

Sonst ist von dem vergangenen Glanz des Handelszentrums nicht viel geblie-
ben.  Der rege Betrieb in dem Laden am Anleger, wo bis spät die Hausfrauen
zum Einkaufen vorfahren und ihre Männer in der Zwischenzeit im Pub (Mulla-
ney's) abstellen; vermitteln mit ihrem ständigen Kommen und Gehen noch ein
klein  wenig  von  dem "hustle and bustle" vergangener Zeiten. Hier gibt's
noch die klassische Pub - Laden - Kombination. In dem im alten Stil ausge-
statteten  Pub kann man sich noch richtig vorstellen, wie hier unsere pro-
fessionellen Vorgänger vor über 100 Jahren Pause gemacht haben.

Ein  zweites Pub mit Dart und Poolbillard liegt weiter westlich und jetzt,
nachdem  Robertstown  auch  von  immer mehr Dublin- Pendlern bewohnt wird,
sind die Pubs auch mehr geworden.

Kurz  nach  Robertstown, Richtung Dublin, kommt eine Wendebucht, falls der
Hafen mal zu voll zum Wenden ist.

Ein  schöner  Spaziergang führt Richtung Norden, wo Interessierte auch den
stillgelegten Blackwood Feeder verfolgen können


Solltet  ihr  hier  gegen Ende der Reise vorbeikommen, könnt ihr schon mal
etwas  Gepäck vorausschicken. Hier in Robertstown könnt ihr euren Frachter
wie  in  alten Zeiten direkt gegenüber vom Postamt entladen. Viel billiger
als  die excess baggage fees am Flughafen ist das auch nicht, aber man er-
spart sich so viel Kofferstopferei und -schlepperei.



LOWTOWN / OLD & NEW BARROW CANAL

Am Anfang der Barrow Line hat man zwei Möglichkeiten, zu fahren: die südliche alte Strecke und die nördliche neue (   ;)  gebaut 1798-1804  ;) ). Die neue
Strecke  wurde  gebaut, um dem Kanalstück Robertstown - Dublin mehr Wasser
zukommen  zu  lassen  (Bei Wassermangel ist deshalb die alte 19er manchmal
gesperrt).  Kommt man von Allenwood, so kann man gleich in den neuen Kanal
einbiegen  und spart sich so 2 Schleusen. (Keine Angst, es kommen noch ge-
nug!).  Diese  Einfahrt  ist  manchmal erst im letzten Moment zwischen den
Schiffen  der Werft zu sehen, Orientierungspunkt ist die stählerne Fußgän-
gerbrücke

Von  Robertstown kommend könnt ihr genau so gut über den alten Kanal Rich-
tung  Barrow fahren; es ist ein sehr idyllisches Stück zwischen alten Bäu-
men, und kurz vor der alten Schleuse 19 zweigt der Milltown Feeder ab.

Dasneue  südwestliche Kanalstück bietet andererseits einen Anleger mit großer
Spiel / Liegewiese mit Grillmöglichkeit- das Ideale für einen sommerlichen
Badetag.

Beiden Teilstrecken gemeinsam ist das kristallklare Wasser, weil hier über
den  Milltown  Feeder  mit  sauberem Wasser das ganze Kanalsystem versorgt
wird

Hier gibt es jede Menge prachtvoller Fische, die mit ihren frischen Farben
den  Vergleich  mit den Vögeln nicht zu scheuen brauchen. Wer seine Kamera
mit  einem  (Linear-) Polfilter bestückt, kann hier Bilder machen, die wie
Unterwasseraufnahmen aussehen. Seltsamerweise lassen sich die Fische durch
das Motorgeräusch nicht beeindrucken.

Und  noch  etwas:  Wer  hier seine Bilgenpumpe betätigt, muß zur Strafe im
nächsten Jahr Ballermann - Urlaub machen  >:( !


-------- AUF ABWEGEN: MILLTOWN FEEDER / POLLARDSTOWN FEN

Kurz vor der alten Schleuse 19 mündet unter einer Brücke der Milltown Fee-
der.  Über  ihn  wird dem Kanalsystem das Frischwasser zugeführt, das beim
Ablassen der Schleusen letztlich im Shannon, Barrow und der Liffey landet.
Zeitweise  wurde  auch er zur Schiffahrt mit speziellen Booten genutzt. Es
ist  ein  idyllisches,  schmales Kanalstück, mit einem Anleger in Milltown
und  zugleich  Ausgangspunkt für Wanderungen im einzigartigen Pollardstown
Fen.

Leider ist er für die Charterboote herkömmlicher Bauart nicht geeignet, da
er ziemlich schmal und flach ist und weil die Pluckerstown Bridge nur 1,80
Meter  (aber  nicht  immer!) Durchfahrtshöhe hat- und davor kann man nicht
wenden,  weil  der  Kanal  zu schmal ist (!) Eine Wendemöglichkeit gibt es
erst in Milltown, für längere Boote erst im Pollardstown Fen. Da sitzt man
also in der Falle, wenn man nicht unten durch kommt. Und dann 4,5 km rück-
wärts fahren - das macht wirklich keinen Spaß.

Chancen hat man nur mit kleineren Narrow boats; ihr solltet aber unbedingt
den  Vercharterer fragen, ob der Kahn beim aktuellen Wasserstand unter der
Brücke durchpaßt.

Dazu  muß  das  Kaminrohr  abgenommen, das Dachfenster geschlossen und bei
manchen  Booten auch noch der Tillergriff abgenommen werden.

(Und  bei überraschend einsetzendem Starkregen sollte man sich schleunigst
auf den Rückweg machen, sonst gibt's Urlaubsverlängerung)

Der  Gegenwert  für  diese Mühen: eine Fahrt durch glasklares Wasser durch
menschenleeres  Land, so, daß man meint, man wäre versehentlich zu früh in
einen  Entwässerungsgraben  eingebogen.  Aber  keine  Sorge, es geht immer
weiter!


Da..... tatsächlich! Hier wohnen noch Menschen!!!!!! ;D :

MILLTOWN  präsentiert  sich  mit einer romantischen Brücke mit ebensolchem
Anleger,  leider  ohne  Wasserzapfstelle.  Sollte dieser restlos überfüllt
sein ( d.h. es haben gleich zwei Schiffe angelegt), gibt es auch reichlich
bankmooring-PLätze.

Das  Restaurant/Pub  an  der  Brücke kommt mir etwas schickimickihaft vor,
aber  drinnen im Ort (300 Meter Weg nach links) gibt es noch was "irische-
res" und auch einen kleinen, aber gut sortierten Laden.

Nach Milltown geht es ohne Umweg über den Golf von Biskaya zum

POINT OF GIBRALTAR

Hier  fließen  die   Arme, die den Milltown Feeder bilden, zusammen. Ob
diese  noch  weiter befahrbar sind, weiß ich nicht; da würde ich in dieser
einsamen  Gegend  nichts  riskieren. Und einen "Testlauf" mit der Schraube
voran  rückwärts gegen die Strömung läuft zäh und gefährdet die Schraube .
Bleiben wir lieber hier.

Es gibt reichlich Wendemöglichkeit und bank- bzw. treemooring- Plätze. Der
Platz  in  der Mitte des Zusammenflusses und erst recht am nördlichen Ufer
bietet  gigantische  Sonnenuntergänge  in der Wildnis, aber wegen des Dik-
kichts  kaum Wandermöglichkeiten. Am südlichen Ufer, am Waldrand, sieht es
in  dieser  Hinsicht  besser aus. Große Wanderungen sind aber nicht möglich,
denn  man  muß  unbedingt  auf  den  Dämmen  bleiben. Hier ist noch ECHTES
Moor!!!  Als  Hauptdarsteller potentieller Schauergeschichten von Milltown
habt ihr dann nämlich nicht viel von dieser Ehre!! 8)

Also  bleibt  vorsichtig, dann könnt ihr euch es aussuchen, ob ihr hier in
der  Wildnis  mit  Zwitschern  und  Quaken aufwachen wollt, oder lieber in
Milltown  nach einem Pubabend. In letzterem Fall sollte man aber unbedingt
die 900 Meter zum Point Of Gibraltar als Tagesabstecher machen. Die Gegend
hier gehört zum Eindrucksvollsten, was ich von Irland je gesehen habe.

--------------------So, jetzt sind wir wieder auf  der Hauptroute----------------------


Nach SCHLEUSE  20  (Bei  der  Barrow Line wird wieder mit 20 weiter numeriert)
kommt - welche Überraschung -  Schleuse 21, die ich deswegen erwähne, weil
hier das Schleusenwärterhaus so tief liegt. Hier war der Kanal nämlich ur-
sprünglich auf diesem Niveau verlegt.


RATHANGAN

Hier erwartet euch gleich nach der Brücke ein großer Anleger mit zusätzli-
chen  Bankmooringplätzen.  Über das Tal hinweg hat man einen schönen Blick
auf  den  Ort. Er ist aber nicht soweit entfernt, wie man meint, denn bald
nach  der  ersten (nördlichen) Brücke kommen die ersten Läden und auch ein
Pub.  Von  der  zweiten Brücke (an der Schleuse) ist es wesentlich weiter.
Wasser  gibt's  an  der  ersten Brücke (Anleger bitte wieder freima-
chen!),  und  reichlich  Entsorgungsmöglichkeit.

Nach  der  Doppelschleuse  seht ihr rechts ein stillgelegtes Lagerhaus aus
der  Zeit,  als der Kanal eine wichtige Verkehrsader für Güter war. Gegen-
über  ist  ein kleines Charterunternehmen (Canalways). Laßt euch nicht von
dem  Anblick von ein paar halb zerlegten Booten irritieren, die sind nicht
zum vermieten! Michael ist halt ein Bastler- ein recht erfolgreicher übri-
gens!

Dann kommt noch eine Doppelschleuse und dann, nach der Eisenbahnbrücke:

MONASTEREVIN  Früher  oft  auch  Monasterevan geschrieben, es gibt mehrere
Aussprachevarianten,  die  wohl auch der Verständlichkeit gegenüber Touri-
sten dienen. Die offizielle Aussprache ist nämlich "mansterivin" mit Beto-
nung auf dem ersten i.

Anlegemöglichkeit  östlich an der Straße, oder, besser noch, rechts in den
Hafenbecken. Wasser gibt es allerdings erst an der Schleuse.

Monasterevin  war  mal früher ein wichtiger Handelsort. Die Abzweigung des
Mountmellick Kanals (nach der Brücke) machte den Ort zu einem Knotenpunkt.
Dort,  wo heute die vermeintlich neuen Hafenbecken sind, waren auch früher
welche.  Sie  waren  mit  Lagerhäusern umsäumt, die allerdings nicht mehr gut aussahen.

Gegenüber  ging  auch ein Stichkanal in den Ort hinein, der sich teilweise
noch am Straßenverlauf rekonstruieren läßt.

Die breiten Straßen mit teilweise stattlichen Häusern zeugen noch von ver-
gangenen  Glanzzeiten.  Sehenswert ist die Hubbrücke und der anschließende
Viadukt,  der  den  Kanal über den Barrow führt. Auf der anderen Seite des
Tals zweigt der leider stillgelegte Mountmellick Kanal ab.

Vorher wird euch vielleicht noch ein Garten südöstlich der Hubbrücke auf-
fallen, in dem eine halb "versunkene" Natursteinbrücke der schon bekannten
Bauart  steht,  unter der Blumen angepflanzt sind. Hakt das nicht als eine
der  Skurillitäten irischen Gartenbaus ab. Die Brücke war nämlich echt mal
in Betrieb.

Dort, wo man, von Norden kommend, nach rechts Richtung Viadukt abbog, ging
es  früher  geradeaus  in  einer Schleuse hinunter, dann unter eben dieser
Brücke  hindurch  und  dann über  weitere Schleusen in den Barrow. Aber
der Barrow war hier noch ein recht unzuverlässiger Genosse, sodaß man bald
gegenüber  den  Kanal  weiterbaute und die Schiffe wieder hinaufschleuste.
Ich  frage mich heute noch, woher man damals das Wasser zum Schleusen nahm
(Pumpen gab es noch nicht). Aber vor der Frage stand man damals wohl auch,
denn bald wurde der Viadukt gebaut, der den Kanal auf gleicher Höhe ließ.
Eine  sehenswerte  Meisterleistung  aus  dem Jahre 1820! Sicher, das ganze
tropft, aber man hatte damals ja nur Natursteine und Mörtel.
Und  bedenkt, wieviele Hightech - Ingeneurbauten unserer Tage schon nach 10
Jahren tropfen!

Nach  der Schleuse, die dann kommt, sieht man übrigens noch den Kanalstum-
mel, der auf der anderen Seite vom Barrow wegführte.

Lange  war  Monasterevan ein verschlafenes Nest mit zwei Minilädchen (aber
schönen  Pubs!).  Aber jetzt geht es aufwärts, der Skipper findet in einem
großen  Supermarkt am Nordostrand alles, was er braucht. Auch die Bahnsta-
tion  (an der Brücke) wurde erneuert und wiedereröffnet. Von hier aus kann
man  auch, wie schon in Teil 1 erwähnt, einen Tagesausflug nach Dublin ma-
chen.

Aber  auch Monasterevin selbst hat sich ganz schön herausgemacht. Jetzt wurde auch endlch die Hauptdurchgangsstraße nach Dublin verlegt, ein großer Gewinn für den Ort, in dem
man sich länger aufhalten kann- nicht nur der kanalhistorisch Interessier-
te.

Zwischenspiel:  Die jackdaws (cathóg) sind hier besonders häufig. Vom Ver-
halten  her  eher den Papageien ähnlich, sind sie aber am nächsten unseren
Bergdohlen verwandt. In ihrem schwarz-grauen Frack sehen sie aber ganz an-
ders  aus.  Wenn ich ihren Ruf zum ersten Mal höre, weiß ich erst, daß ich
in Irland bin. Sie sind unheimlich neugierig und verspielt, balgen sich in
der  Luft  und  beäugen den ankommenden Skipper mit ihren strahlend gelben
Augen ganz interessiert. Brotstücke werden gerne entgegengenommen, und man
kann  das  Futter zur beiderseitigen Belustigung in die Luft werfen, wo es
geschickt aufgefangen wird.

Man  meint fast, man könnte sie auch aus der Hand füttern, und sie schauen
das  Futter  auch aus einem knappen Meter Entfernung genau an. Aber glaubt
nicht, daß sie näher kommen! Ratet mal, wer geduldiger ist!

Dort, wo sie gehäuft vorkommen, sind sie nicht so angesehen, aber in  der  unglückseligen  Zeit, als die Iren unter ihrer Besatzungsmacht zu
leiden  hatten,  hieß  es, wer eine im Flug verlorene Feder eines jackdaws
aus der Luft fängt, ist für immer frei.

Aber  von der Straße aufheben gilt nicht- dann müßt ihr wieder zurück nach
Deutschland!!! :(

Aber erst gehts mal in Teil 4 weiter in Richtung Vicarstown

Um irische Geduld bittet

bádoir

« Letzte Änderung: 21.08.2005, 11:28 von bádoir »

Offline Christian S.

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Re:Barrow-Tipps
« Antwort #10 am: 21.03.2005, 21:47 »
Hallo Gerhard,


nachdem das Schweigen der irischen Lämmer ausgebrochen ist  ;) möchte ich mich für Teil 2 + 3 bedanken, sehr lesenswert und macht immer mehr Lust die ich diese Jahr wohl mal wieder nicht befriedigen kann.  :(
Ich freu mich schon auf Teil 4, wäre es möglich wenn du in St. Mullins angekommen bist das ganze nochmals rückwärts zu erzählen?  ;D :D ;) :) ;D 8)


Grüßle vom See
Christian
Am See is' schee!

Offline bádoir

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Re:Barrow-Tipps
« Antwort #11 am: 03.04.2005, 13:12 »
Hallo Forum!

,etniem SnaitsirhC eiw ,elhäzre sträwkcür sella hci roveB
mache ich erst mal vorwärts weiter mit:



Barrow - Tipps Teil 4

Vor  Abfahrt  in MONASTEREVIN muß man den Schleusenwärter verständigen, da
die  Hubbrücke  nicht  selbst  bedienbar ist. Seid nicht zu ungeduldig und
fahrt nicht schon los, während die Brücke noch in Bewegung ist. Der Wärter
muß  die Brücke erst in Endstellung verriegeln- das ist bei der altehrwür-
digen  Technik eine ganz sinnvolle Maßnahme! Dann geht es langsam über den
Viadukt.  Schaut  euch noch mal um, der Blick zurück nach Monasterevin mit
der Brücke im Vordergrund ist sicher auch ein Foto wert. An der Abzweigung
Richtung  Mountmellick  (Sackgasse)  geht  es  links,  dann kommt bald die
Schleuse (mit Wasserzapfstelle).

Nach  dieser Schleuse geht es unter der Brücke hindurch nach rechts; links
der  erwähnte  alte  Kanalstummel,  der  jetzt  als Anleger dient.

Auf dem folgenden Kanalstück wird euch wahrscheinlich schon der erste ver-
rückte  Schwan begegnen. Ja, richtig gelesen. Während sich bei uns nämlich
Schwäne  höchstens mal eines einsamen Schwimmers annehmen, ansonsten aber,
wenn  sie  keine  Jungen  haben, eher friedlich sind, leiden ihre irischen
Vettern   in  diesem  Revier  unter absolutem Größenwahn, und das zu jeder
Jahreszeit.

Selbst  ein  14 m - Schiff wird von so einem durchgeknallten Vogel als be-
stenfalls  ebenbürtiger Kontrahent betrachtet, der schonungslos attackiert
wird.  Er  stellt  sich tollkühn in den Weg, und unter den Attacken seiner
mächtigen   Schwingen   ist  schon  manch  Charterboot  in  Stücke  gebor-
sten......... in Schwanenträumen zumindest!

Im Ernst: Im freien Wasser, wo er nicht eingeklemmt werden kann, könnt ihr
ihn   mit  gedrosselter  Fahrt  ruhig  beiseite  schieben,  Brustbein  und
-muskulatur  ist  das  stabilste an jedem Vogel. Nur auf Höhe der Schraube
müßt ihr aufpassen, daß er nicht hineingerät.




FISHERSTOWN

Nach  einer  schleusenfreien  Stunde  kommt  ihr  in  Fisherstown  an. Ein
großzügiger   Anleger   mit  Steg,  weiteren  Pollern  in  der  Wiese  und
bankmooring  -  Plätzen läßt Großartiges erwarten. Also anlegen und stadt-
fein machen!

Auf  der  Suche  nach  der  "town"  werdet ihr die längste Wanderung eures
Urlaubs  machen!  Denn  Fisherstown  ist  nichts  anderes  als ein Pub.
(400 m westlich der Brücke)

Es schaut äußerlich recht vielversprechend aus, hat aber tagsüber anschei-
nend  selten auf; ich habe es jedenfalls noch nicht hinein geschafft. Hier
mal übernachten und das ganze abends zu testen, steht auf meiner Wunschli-
ste obenan. Man darf halt nicht enttäuscht sein, wenn es dann doch zu ist,
und  genügend  Vorräte  an Bord haben. Ansonsten aber wirklich ein schöner
Platz.

Nach  einer  weiteren schleusenfreien Stunde tut sich ein Anblick auf, der
anscheinend  alle  meine  Schwärmereien  von  einem  ruhigen  Revier Lügen
straft. Wir kommen nach

VICARSTOWN.

Hier  sind sehr viele einheimische Boote festgemacht. Ein Charterunterneh-
men  und  ein Reparaturbetrieb tun ein übriges, um hier an ein "Klein-Low-
town" zu erinnern. Aber alles halb so wild, nach der Brücke kommt ein ganz
langer, viel schönerer Anleger, an dem genügend Platz ist.

Vicarstown  bietet  zwar  auch  keine Einkaufsmöglichkeit, aber zwei Pubs,
und,  man  glaubt  es kaum, Recyclingcontainer. Die Wasserzapfstelle liegt
ungünstig  ganz nah an der Brücke und ist fast immer zugeparkt. Da läßt es
sich  manchmal  nicht  vermeiden,  daß  man beim Wassernehmen den Weg ver-
sperrt.  Der  "echte" Irlandurlauber, der vorbeimöchte, nimmt's mit Gelas-
senheit.  Zu  den Druckknopf- Wasserhahnen werde ich unter den allgemeinen
Tipps noch etwas erklären.

Vicarstown  ist ein sehr schöner Platz, auch zum übernachten. Wenn dann in
der  Dämmerung  die  schmiedereisernen Laternen angehen und ihr gelbliches
Licht zu einer imposanten skyline aufläuft, träumt Vicarstown seinen alten
Traum  von  einem  bedeutenden Handelszentrum an der wichtigsten Verkehrs-
schlagader- eben dem Kanal.

Hier würde es auch einen Geheimtipp für Livemusikabende geben, wo die Iren
an  bestimmten  Tagen  aus der Umgebung zusammenkommen und ganz informell,
mehr für sich als für das Publikum oder gar für die Touristen spielen- und
damit  es  ein bißchen Geheimtipp bleibt, Anfragen nur über PM, nicht über
email.

So,  wenn  ihr  dann  am  nächsten  Tag aufwacht und das Boot fertigmacht,
werdet ihr reuevoll euren abendlichen Guinnesskonsum zusammenrechnen, denn
ihr glaubt, unter Halluzinationen zu leiden. Da kommt doch tatsächlich ein
Schwan im Tiefstflug über das Boot gezischt!

Der  Schwan  ist aber echt. Während sein Kollege aus Monasterevin die See-
schlacht  bevorzugt,  so schätzt hier der königliche Vogel bzw. sein Kron-
prinz den Luftangriff. Das wäre an sich nicht mehr als ein schönes Fotomo-
tiv  (mind. 1/1000 sec., geduckte Haltung!)- wenn da nicht das Gerücht wä-
re, daß er just über dem Schiff sein Bürzel öffnet und so den Eindringling
"bombardiert".  Da  mag  was  dran sein, denn auch unsere Singvögel wehren
sich   so   gegen   Nesträuber  wie  Elstern,  Krähen  usw. Mir ist so ein
Bombardement  noch  nicht  widerfahren, aber das mag daran liegen, daß ich
kein  Frühaufsteher  bin  und der Vogel sich dann wohl schon ausgesch.....
hat.  Auch  dürfte  die  Wahrscheinlichkeit  gering  sein, daß man so sein
abends  verfüttertes Brot am nächsten Tag zielgenau auf den Kopf platziert
bekommt,  denn  man  kann  ja ausweichen, und 12 kg Schwan können nicht so
schnell die Anflugrichtung korrigieren.

Nach   all   diesen   Abenteuern   kommt  eine  fast  10  Kilometer  lange
schleusenfreie Strecke.

Diese  2  Stunden  möchte ich nutzen, um euch von zwei Dingen zu erzählen,
die  man  wissen  muß, um von Athy und anderen Städten nicht enttäuscht zu
sein.

Erstens sind irische Orte bei der Annäherung von der Wasserseite her immer
kein besonders schöner Anblick, in Rathangan werdet ihr es von Norden kom-
mend vielleicht schon ein bißchen so empfunden haben. Das liegt daran, daß
diese  Wasserstraße  eben  einst  eine wichtige Verkehrsader war. So haben
sich  hier Industrie, Werkstätten und Lagerhäuser angesiedelt. Es ist ganz
ähnlich wie bei uns, wenn man sich per Bahn einem größeren Bahnhof nähert.
Auch da sieht man als erstes Lagerschuppen, Schrottplätze und Industrie.

Also  nicht  enttäuscht  sein,  nach  einem  kurzen  Fußweg geht es in den
eigentlichen  Ort,  und die irische Idylle ist wiederhergestellt- da könnt
ihr mich beim Wort nehmen!

Das  zweite  ist das Müllproblem. Während ein Fluß wie der Shannon und der
Erne  hineingeschmissenen  Müll gnädig abtransportiert, bleibt er in einem
Kanal liegen, bis ihn jemand herausfischt. Dies und die Tatsache, daß auch
die  Iren  keine  fehlerfreien übermenschen sind, bedeutet, daß man in der
Nähe  von  größeren  Orten  auch auf herumtreibenden oder - liegenden Müll
achten  muß. (Ist kein Grund, es ihnen nachzumachen !!!) Verwehte Plastik-
säcke  werden euch schon auf dem Land begegnet sein; hier kommen auch här-
tere Dinge dazu, die die Schraube beschädigen können. Also fahrt hier auf-
merksam, damit es keine Zwangspausen gibt. Bevor ihr euch hier ein negati-
ves Urteil bildet, bedenkt, wie es bei uns aussehen würde, wenn so ein Ka-
nal  mitten  durch Orte führen würde- und vor allem sollte man anerkennen,
daß die Umwelt sonst in Irland doch in Ordnung ist.

Und  wenn  ihr  in  diesem  letzten Satz ein "noch" vermißt - auch bei uns
wendet sich selten etwas zum Besseren!

Halten  wir  uns  nicht mit pessimistischen Ausblicken auf, sondern wenden
wir uns einer fundamentalen Erkenntnis zu:

Ein  halbes  Jahrhundert  meines Daseins habe ich nie verstanden, warum in
Ländern  relativen  Wohlstandes 22 erwachsene Leute sich um einem einzigen
Fußball  streiten.  Hier  hatte ich, zumindest für die Region um Athy, die
Erleuchtung:

Die restlichen 21 Bälle schwimmen im Kanal! ;D ;D ;D


In der Ferne taucht Schleuse 26 auf, und danach wird es langsam städtisch.

Beachtet  das  Trockendock links. Das funktioniert so (nicht für Selbstbe-
dienung!):  Man  füllt das Dock, nimmt die Bretter auf der Kanalseite her-
aus,  fährt mit dem Schiff hinein, legt die Bretter wieder in die Führung,
und   läßt   dann   das   Wasser  über  das  entfernt  sichtbare Schütz in
einen  angelegten  Graben  Richtung  Barrow  ab.  Währen der Wasserspiegel
sinkt,  wird  das  Schiff mit Balken unterfangen, und man kann dann bequem
das  Unterwasserschiff  reparieren.  über das Schütz am Kanalufer wird das
Dock  danach  wieder  geflutet.  So  konnte man schon vor 200 Jahren einen
30-Tonner bequem reparieren.

ATHY

Dann tauchen die Schuppen und Lagerhäuser von Athy auf. Rechts eine riesi-
ges Schleppdach, unter dem man regengeschützt anlegen kann. Durch Schleuse
27  kommt  ihr  (wenn  der Betätigungsbalken nicht von einem PKW zugeparkt
ist,  aber  das  kann nur mir passieren!)
unter der Brücke hindurch zu den
alten  Anlegern.  Die  wird man wohl nur noch nutzen, wenn man spät abends
eintrifft,  sonst  geht es die Schleuse 28 hinunter, wo euer Kiel dann das
erste mal Barrow-wasser spürt. Links seht ihr eine relativ schmale Brücke
über  den  Barrow. über diese wurden die Treidelpferde, die das Boot hier-
hergebracht  haben,  über  den  Fluß geführt, wo es dann auf der östlichen
Seite weiterging.

Aber wir sind ja nicht berufsmäßig unterwegs, deshalb fahren wir unter der
Brücke ein kurzes Stück den Barrow hinauf und biegen dann gleich rechts in
den neuen Hafen von Athy ein.

Dieser  Hafen  (Am  Tag  seiner  Einweihung mußte ich gerade zurückfliegen
*schluchz*) liegt sehr stadtnah. Athy ist nicht so groß, wie es die ganzen
Lagerhäuser  am  Kanal  vermuten  lassen. Aber hier gibt es eine lebendige
Pubszene mit viel Musik, wo man auch schnell mit den Einheimischen ins Ge-
spräch  kommt, weil der Tourist auch hier noch Seltenheitswert hat, zumin-
dest  in  der Nebensaison. Geschäfte aller Art gibt es hier genug, auch in
der Nähe.

Absolut sehenswert ist auch die neue Kirche, die man auf der anderen Seite
des  Barrow  sieht.  Während alte Bahnhöfe in Irland wie Kirchen aussehen,
sehen neue Kirchen in Irland meist wie Bahnhöfe aus. Nicht so in Athy. Das
Äußere zeichnet sich durch einen mutigen, für den Baustatiker recheninten-
siven  Entwurf aus. Das Innere ist höchst eindrucksvoll. Vorherrschend ist
das  Licht,  das je nach Tageszeit wechselnd durch die vielen farbintensi-
ven, verschieden gestalteten Glasfenster in den Raum fällt. Natürlich sind
die  Fenster  an  der  Südseite der St. Peter and Paul´s Kirche in Athlone genauso
schön,  aber hier, mit der wesentlich schlichteren Innenausstattung, kommt
die Farbigkeit besonders stark zur Geltung.

Nehmt  euch  Zeit  für  Athy, trinkt einen Extra - Schluck auf den Barrow,
auch  zur  Stärkung  für  kommende  Abenteuer. Aber legt euch nicht voller
Sorgen  in  die  Koje,  es  geht  ganz  gemächlich los. Fast wie zur übung
angelegt, kommt hier morgen gleich ein ganz harmloser Seitenkanal.

Doch davon mehr in Teil 5
 
« Letzte Änderung: 03.04.2005, 22:04 von bádoir »

Offline bádoir

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Re:Barrow-Tipps
« Antwort #12 am: 23.04.2005, 13:33 »
Barrow-Tipps Teil 5 Von Athy nach Bagenalstown

Wie  in  Teil  4  schon  erwähnt,  ist  der  nun  folgende  Abschnitt nach
ATHY ein Kinderspiel. Wenn man den östlichsten Durchlaß der Eisenbahnbrük-
ke  nimmt, landet man automatisch im Seitenkanal. Auch die, die direkt von
Schleuse  28  durchfahren,  können sich nicht vertun, wenn sie nur schnur-
stracks  aus  der  Schleuse  heraus  ans andere Barrow - Ufer fahren. Dann
kommt  eine  (stets  offene) Klappbrücke, die außer am Auslöser der Kamera
keine  Aktion  erfordert.  Und  die Schleuse, die dann kommt, hat nur eine
Hubhöhe von 1,07 m. Das einzige, was einen hier hart ankommt, ist die Tat-
sache,  daß das ehemalige Schleusenwärterhaus in absoluter Traumlage schon
verkauft ist. Ardree ist ein besonders schönes Stück Irland mit einem ganz
poetischen Namen ( von Ard Fraoigh = Erdbeerhügel)

Ardree  Lock, hat, wie alle nun folgenden Flußschleusen keine Nummer, son-
dern  einen  Namen.  Am Barrow wurde nämlich nicht, wie an den Kanälen, am
Stück  geplant,  sondern mal hier, mal dort eine Schleuse gebaut. So liegt
die "jüngste" (1836 ;)) Schleuse in der Mitte: Cloghrennan.

Dann kommt die erste "echte" Flußfahrt für euch, immer schön an der linken
Seite, wo der Treidelpfad ist. Dann kann man auch den 3,2 km langen Levit-
stown  Cut nicht verpassen, wo euch dann auf einmal eine Hubbrücke den Weg
verstellt.  Früher  konnte  (durfte! :'() man diese Brücke selbst hochkurbeln,
aber  jetzt  ist sie abgeschlossen und muß durch einen Wärter bedient wer-
den.  Es  gab  halt Leute, die die Brücke hinter sich nicht mehr zugemacht
hatten.  Da die Brücke nur von einer Seite bedienbar war, waren die Leute,
die  auf der Insel wohnten, "not amused", wenn sie von der Landseite heim-
kamen- bzw. nicht.

Im Hintergrund taucht nun die Ruine der Levitston Mill auf. Bemerkenswert
ist  der gute Zustand der Außenmauern, obwohl hier im Jahre 1943 das gela-
gerte  Getreide  einschließlich  aller Zwischendecken lichterloh brannten.
Die  "Mühle"  war zuletzt nur eine Mälzerei für Guinness. Andere Mühlen im
Laufe  des Barrow wurden schon früher stillgelegt, weil sich Getreideanbau
und  Weiterverarbeitung  schon  Mitte  des 19. Jahrhunderts wegen billiger
Importe aus den USA nicht mehr rentierten.

Den  Irrsinn  des  Warentourismus hat es also damals schon gegeben. Damals
lag  es  allerdings daran, daß die Auswandererschiffe sonst leer zurückge-
fahren wären. Das macht die Sache aber auch nicht logisch: Hunderttausende
von  Iren  wandern aus, weil sie daheim nichts zu Essen haben- und mit den
leeren  Schiffen  wird Getreide nach Irland importiert !!! Also gab es da-
mals  schon  Dinge  in  Politik und Wirtschaft, bei denen man nur den Kopf
schütteln kann.

Genießen  wir  lieber den Urlaub. Der nach wie vor existierende Wasserein-
lauf  in  die  Mühle  wird  den Bug des unaufmerksamen Skippers vielleicht
leicht  nach  rechts  ablenken, dann geht es in die Schleuse. Hier ist der
Hub schon größer, und am unteren Anleger werdet ihr merken, daß er für die
alten  großen  Handelsschiffe  gebaut war, da heißt es je nach Wasserstand
etwas klettern.

Dann geht es wieder auf den Fluß. Hier immer schön links halten, auch wenn
die Durchfahrt vor den Inseln rechts breiter erscheint! Es kommt

MAGANEY BRIDGE

Dies  war  nie  ein Ort in unserem Sinne, sondern immer "nur" ein Pub, ein
Laden,  ein  Postamt  und bis 1963 auch noch eine Bahnstation für die ver-
streut  im  Umland  wohnenden Iren. Trotzdem unbedingt einen Halt wert, am
besten  schon auf der Hinfahrt, weil man sich dann in dem Three County Pub
gleich mal über das Musikprogramm der nächsten Zeit informieren kann. Hier
wird  es  auf einer Tafel angeschrieben, und ihr könnt Eure Rückfahrt ent-
sprechend planen.

Dise  Informationsrunde wird nicht ganz trocken abgehen. Der einst wunder-
schöne  "beer garden" hinter dem Haus wurde leider für die neue Tankstelle
reduziert,  aber andererseits kam damit auch wieder ein vollwertiger Laden
hierher.  Der  alte  Tante-Emma-Laden  war bei aller Liebe zur Romantik in
seinen letzten Jahren schon sehr dürftig bestückt.

Sehenswert  das  "Postamt"  südlich auf einer kleinen Anhöhe- der schönste
Arbeitsplatz den ich je gesehen habe. Das ist ein Anlaß, die Urlaubskarten
zu  schreiben.  Dann müßt ihr sie nicht dem Transferfahrer auf dem Rückweg
in die Hand drücken, wie ich es immer mache!

Maganey  ist  jedenfalls ein toller Platz mit viel Landschaft. Eine schöne
Wanderung  über  wenig befahrene Straßen führt z.B. in Richtung Osten nach
Castleroe Cross Roads und dann über Newtonpilsworth zurück.

Weiter  geht's  zu

MAGANEY LOCK

Hier  ist  der  obere  Anleger meist zugeparkt, aber man kann hier gaaaanz
langsam  mit  dem  Bug  am oberen Schleusentor anlegen und den bordeigenen
Schleusenwärter  so  absetzen. Der untere Anleger, eher bankmooring-Platz,
erfordert wieder etwas Kletterei.

Spätestens  an  dieser Schleuse werden euch die zwei liebenswerten mittel-
großen  Hündchen  des  Herrchens begegnen, der das Schleusenwärterhäuschen
gekauft  hat. Wie an anderer Stelle schon erwähnt, hat der Anblick befahr-
barer  Wasserflächen  einen desaströsen Einfluß auf Hundehirne. Jedenfalls
kläffen  sie hier, daß man meint, die Eingeweide kommen gleich mit heraus-
geflogen.  Sie tun zwar nichts, aber es ist schon lästig, wenn man bei je-
der Umdrehung der Schleusenkurbel erst eine Hundeschnauze beiseiteschieben
muß.

Der Barrow hat auch den inoffiziellen Titel "Irischer Amazonas". Warum, um
Himmelswillen, gibt es dann hier keine Alliga---ßpl>,h.-j.ncd

Da  habe  ich  mir gerade selbst auf die Lästerfinger gehauen!  ;D Denn ausge-
rechnet  einem  dieser beiden Hunde (dem grauen) habe ich es zu verdanken,
daß  ich mal nicht mit Karacho aufgesessen bin. Der River Greese, der bald
unterhalb  der  Schleuse  von  Osten zufließt, bringt immer eine Menge Ge-
schiebe  mit sich, aber ich habe noch nie erlebt, daß der Barrow hier nach
einem  Hochwasser bis in der Mitte nur noch knöcheltief ist. Wenn da nicht
eben  dieser  Hund mit trockenem Bauch mitten im Fluß gestanden wäre, wäre
ich  draufgebrummt. So aber bin ich ganz langsam auf der "falschen" (west-
lichen  )  Seite vorbeigefahren. Aus Dank hätte ich ihm ein backrasher auf
die Nase kleben müssen, aber der Kühlschrank war leider leer.

Auch der nach einem knappen Kilometer folgende River Lerr bringt Geschiebe
mit  sich,  also  mehr in der Mitte halten- aber nicht ohne Not am anderen
Ufer!

Für  BESTFIELD LOCK (hundefrei) gilt ansonsten das gleiche wie für Maganey
Lock

Nach dieser Schleuse wartet dann der verrückteste Schwan Irlands auf euch.
Während  die Reaktionen seiner bisher beschriebenen Artgenossen vielleicht
noch  von  Verhaltensforschern  erklärt werden können, hat dieses Exemplar
hier  eine  komplette  Macke. Er kommt mit gut 100 Meter Anlauf knapp über
das  Wasser  geflogen  und kracht dann voll Stoff an den Schiffsrumpf. Und
weil's  so schön ist, fliegt er gleich wieder weg und macht das Ganze noch
zwei- bis dreimal

Aber   vielleicht  hat  sich  dieser  Abschnitt  auch  erledigt,  und  ein
deformiertes Gerippe dümpelt im Schilf.....



Nach einem Kilometer kündigt sich

CARLOW    an.    Erst   kommt   die nicht zu übersehende Zuckerfabrik. Sie
wurde  im  März  2005 im allgemeinen Zentralisierungswahn stillgelegt. 189
feste   Arbeitsplätze  und  jede  Menge  saisonale  Zuverdienstmöglichkeiten
fallen weg. Der jetzt erhöhte Zeit- und Kostenaufwand für den Transport geht selbstverständ-
lich zu Lasten der Zuckerrübenbauern. Aber das Thema hatten wir schon.

Dann  kommt  man  allmählich in die Stadt, auch wenn es, wie schon erwähnt,
nicht so aussieht.

Man kann am Rowing Club anlegen (langgestrecktes Gebäude links). Dort gibt
es,  wenn  gerade  jemand  da ist (Wochenenden und teilweise abends), auch
Wasser.  Die  Leute  dort  sind  alle sehr nett und hilfsbereit (eben auch
Bootsleute!)   Nach   dem   offiziellen   Barrow-Führer  (gibt's  bei  der
Bootsübernahme!)  hält  der  Verein seine traditionelle Regatta am Sonntag
vor  dem  ersten Montag im Juni ab, und zwar zwischen diesem Bootshaus und
der Zuckerfabrik. Diesen Tag würde ich auf jeden Fall meiden. Aber auch so
gilt  es, auf diesem Abschnitt auf die ganzjährig trainierenden Ruderer zu
achten.

Erstaunlich  ist, daß es in Carlow nicht mehr Platz für Charterboote gibt.
Ob  bei den Bauaktivitäten gegenüber des Rowing Clubs auch Anleger dazuka-
men, konnte Stadtverwaltung auf Anfrage nicht bestätigen, also wohl: nein.
"Catharlach  Moorings"  unterhalb der Schleuse ist "aus Versicherungsgrün-
den"  nur  für  die  dort  wohnenden  Feriengäste gedacht und wohl auch zu
klein.

Carlow  ist  mit  46000 Einwohnern die größte Stadt am Barrow. Hier sollte
man  sich  Zeit  für  einen Bummel nehmen. Nicht nur in der Fußgängerzone,
sondern  ein bißchen drumherum. Bücher, CDs, Bootszubehör, ein Wochenmarkt
und  gelegentliche Flohmärkte und noch viel mehr sind hier zu finden. Süd-
lich  des Zentrums ein großer Tesco- Markt, wo es auch ausgefalleneres für
die Bordverpflegung (fest und flüssig!) gibt.

Die  Brücke ist die "Schlüsselstelle" für die Bootfahrer. Hier geht es nur
durch  den östlichsten Bogen, bei den anderen ist das Wasser zu flach. Die
2,50 Meter Höhe,  die  in den Führern angegeben wird, ist kein Garantiewert,
denn  sie  ist wasserstandsabhängig.

Nach  der Brücke geht es gleich nach rechts; haltet euch unbedingt, soweit
wie  möglich, von dem Wehr frei. Dieser Abschnitt ist sehr verkrautet, und
ihr  müßt  damit rechnen, daß der Propellerwirkungsgrad stark abnimmt- und
das vor einem Wehr ! (Anker ist klar, oder?)

"Nach Carlow geht's zur Sache"- sagte ich. Habe ich zu viel versprochen?  :D

WICHTIG:  Unterhalb der Schleuse Carlow geht die Fahrrinne im Westen, also
flußabwärts rechts, weiter!

Nach  dieser Schleuse sorgt der Burren River für zusätzlichen Antrieb, und
es geht flott zur


CLOGHRENNAN LOCK

Auch  hier  ist  das  Schleusenwärterhaus Privatbesitz. Sehenswert ist der
schöne,  mit  viel  Aufwand  angelegte Garten.

Schade nur , daß es sich fast nicht vermeiden läßt, beim Schleusen mal ein
Beet  zu  betreten  oder mit der Leine ein paar Blumen auszurupfen. Jeden-
falls hat es keinen Wert, aus lauter Rücksichtnahme auf der halb zugewach-
senen rutschigen Schleusenmauer zu balancieren. Schließlich haben die Leu-
te das Haus unter der Bedingung gekauft, die Schleuse bedienbar zu lassen.

Vielleicht  gesellt sich zu soviel gärtnerischem Sachverstand auch mal ein
Gedanke  an  die Belange der Skipper. Man kann die Leute ruhig einmal nach
einem  ehrlichen  Lob  für den Garten darauf freundlich aufmerksam machen,
schließlich ist es schade um die Blumen.


MILLFORD

Hier  kommt ihr, wenn ihr euch an den (immer noch ) westlichen Treidelpfad
gehalten  habt,  in den Schleusenkanal von Millford. Das ist ein Platz zum
bleiben, auch über Nacht. (bankmooring VOR der Drehbrücke) In diesem wind-
geschützten  Kanalstück scheint sich die irische Vogelwelt im Frühling zum
Sängerwettstreit  zusammenzufinden.  Die Bühne dafür sind die ebenfalls um
die  Wette  blühenden  Kastanienbäume, eine romantische Bogenbrücke und im
Hintergrund  die  efeubewachsene Ruine der Mühle. Ein 36er Film bzw. 64M -
Speicherkarte  gehen  hier  drauf,  und  1 km westlich auf der Straße nach
Ballynabranagh soll auch ein Pub kommen.

Sollte  euch ein Schleusenwärter begleiten, sagt ihm bei schönem Wetter in
Cloghrennnan  gleich, daß ihr hier mal Pause macht, und nicht gleich durch
die  Brücke  wollt.  Wenn ihr in Carlow übernachtet habt, ist das für eine
Tagesetappe  natürlich  kurz.  So  würde ich bei Schönwetterlage in Carlow
entweder  nach  einem  Stadtbummel erst mittags aufbrechen, oder, falls es
ausnahmsweise mal in Strömen regnet, das ganze für den Rückweg vormerken.

Aber Millford muß sein.

Für die Hebebrücke, die dann in den Büchern kommt, ist der Fotograf aller-
dings  zu spät dran. Sie ist durch eine Drehbrücke ersetzt. Wenn sie nicht
abgeschlossen ist, kann man aus dem hohlen Geländer eine Stange zur Hebel-
verlängerung rausziehen und die Brücke so schwenken.

Nach  der  Schleuse  wird man in eine ganz beachtliche Strömung entlassen,
schaut euch den unteren Anleger schon mal zur Orientierung an. Das Anlegen
auf dem Rückweg ist nicht ganz einfach. Mehr dazu unter Allgemeine Tipps

WICHTIG:  Aughnabinna  Island, 1 km südlich wird nach umfangreichen Bagge-
rarbeiten (Dank ans OPW) jetzt wieder westlich umfahren. Das ist auch aus-
geschildert.  In diesem Stück westlich der Insel herrscht wegen des Gefäl-
les  beträchtliche  Strömung,  es soll der Seitenkanal einer aufgelassenen
Schleuse mit immerhin 90 cm Hub gewesen sein!

Nach Rathvindon Lock geht es, auch in beachtlicher Strömung, nach


LEIGHLINBRIGDGE  (früher  Lachlyn  geschrieben,  und  auch  heute  noch so
ausgesprochen ("locklen")

Anleger  oberhalb  und unterhalb der Brücke. (Wer bis hier heil angekommen
ist,  weiß ja, daß man nicht oberhalb von Brücken wendet). Der obere Anle-
ger  bietet,  sorgfältig  in  einer Mauernische versteckt, und nur von der
Landseite  sichtbar, eine Wasserzapfstelle. Kleiner Ort, der durch den Bau
der  Umgehungsstraße  sehr  gewonnen hat. Es gibt Einkaufsmöglichkeit, ein
echt  ländliches  Pub  und ein renommiertes Restaurant, das ich noch nicht
ausprobiert habe.

WICHTIG:  Man  kann  zwar  hier  noch  unterhalb  der Brücke anlegen, aber
ansonsten  sollte man gleich nach der Brücke nach Osten schwenken. Ab hier
geht die Fahrrinne wieder flußabwärts links weiter!

BAGENALSTOWN

kündigt  sich  mit  einer  langen "Uferpromenade" links an, rechts ist der
Damm, der diesen Seitenkanal vom Barrow abtrennt. Der "swimming pool", der
in den Karten verzeichnet ist, ist übrigens ein vereinseigener betonierter
Hochbehälter- zum Vergessen. Dann kommt der lange Kai von Bagenalstown mit
Wasserzapfstelle  am  Anfang  der Leitplanke. Dort begrüßt euch vielleicht
der  halbzahme  Fischreiher,  der hier lebt, aber von einer Stadt ist noch
nicht so viel zu sehen. Aber geht erst mal die Hauptstraße hinauf!

Auf  dem Weg ist erst mal ein kleiner Laden, von dem aus ihr nicht weit zu
schleppen  habt.  Gegenüber auf dem Gehsteig eine Meisterleistung irischer
Logik: Auf einem an einen Briefkasten erinnernden Behälter steht:

                     1. litter
                     2.  Post.

Des  Rätsels  Lösung: Es ist ein von der Post gesponserter Abfallbehälter !!!  
Mein  gestörtes Verhältnis zur Ansichtskartenschreiberei habe ich ja schon
angedeutet,  und  so komme ich an dieser Stelle nicht ohne breites Grinsen
vorbei.

Aber  ich  wollte  euch  ja  die  Stadt  vorstellen. Geht noch ein bißchen
weiter,  und dann links. Auf einmal tut sich da ein schöner Stadtplatz auf
mit  allem,  was dazugehört. Am Ende gibt es sogar einen Laden, der Feuer-
holz  für den Bootsofen günstig in großen Säcken verkauft. Witzig ist auch
die nachts beleuchtete "Mini-Akropolis".

"Dining  out"  ist  in Irland immer etwas problematisch, denn irisches ist
selten,  und  die Versuche an französischer oder italienischer Küche gehen
oft daneben- von den horrenden Preisen ganz abgesehen.

Nicht  so in einem Pub in Bagenalstown. Der Name ist mir leider entfallen,
aber das rote Haus auf dem zentralen Platz ist unübersehbar (Foto gern per
PM)  Hier habe ich  eine kulinarische Sternstunde erlebt. 2 große Scheiben gegrill-
ter  Lachs,  Butterkartoffeln  und eine Menge nicht angekleistertes Gemüse
für  10 EURO. Da geht's das nächste mal wieder hin! Musik gibt's hier auch
ziemlich regelmäßig. Das ist so richtig ein Ort zum versumpfen.

Aber  beachtet:  Mindestens einer des Bootfahrens Kundiger muß morgen früh
gleich  bei  der  Abfahrt  unverkatert  und topfit sein. Da geht's nämlich
voll zur Sache! ;D :D :) :-[ :( >:(

Fortsetzung (Teil 6) folgt
 
« Letzte Änderung: 23.04.2005, 15:55 von bádoir »

Offline Christian S.

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Re:Barrow-Tipps
« Antwort #13 am: 25.04.2005, 09:32 »
Hallo Forumland,


vielen Dank Gerhard für deine Zeilen, beim lesen stell ich mir jetzt nur noch folgende Fragen  ??? :

1. Warum hock ich hier und bin nicht auf dem Barrow?
2. Wie machst du das eigentlich alles alleine auf einer Barge, grade noch mit der Strömung?
3. Warum hock ich immer noch hier?
4. Warum habe ich noch nicht gebucht?

Naja, zumindest Frage 2 ist ernstgemeint, find ich doch schon sehr gewagt das alleine zu machen, auf dem Grand kann ich es mir ja noch vorstellen, aber auf dem Barrow?
 :) ;) :D ;D :o 8) ??? ::) :P :-*
Am See is' schee!

Offline bádoir

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Re:Barrow-Tipps
« Antwort #14 am: 26.04.2005, 07:02 »
Hallo Christian!

Zu 1 & 3: Weil es in Wasserburg am Bodensee auch schön ist, und da mag ich dir nicht mal widersprechen.

Zu 4: Buchen kann man jederzeit.

Zu 3. Ganz einfach: ÜBEN!   Wenn die Bordnymphe vormittags ohnehin nicht aus der Koje kommt, und du doch irgendwann los willst. Da bist du ohnehin alleine unterwegs. Und wenn sich die Bordnymphe im Laufe der Urlaube (und nicht nur da!) vollends zur Bordratte gewandelt und sich den grünen Punkt redlich verdient hat, auch ganz einfach: BUCHEN! Siehe Punkt 4.

Sicher dauern manche Manöver auch beim altgedienten Seemann etwas länger, aber lieber den Barrow bei Dauerwolkenbruch und Rekordwasserstand rauf und runter, als Loch Garadice bei 25 Grad im Schatten und einem CMM an Bord.

Grüße an den Bottom Lake!

Gerhard

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CMM= Chronisch Motzendes Monster